Für Forschungsdatenzentren
Reichweite erhöhen, Aufwand reduzieren
Remote Access für sensible Forschungsdaten ist in aller Munde – und stößt bei Forschenden vor allem wegen des geringeren Kosten- und Reiseaufwands auf breite Zustimmung. Insbesondere Remote-Desktop-Verbindungen erlauben es, auf einer gewohnten Oberfläche zu arbeiten und Analysen in Echtzeit durchzuführen, ohne dass die sensiblen Daten die Server der datengebenden Institute verlassen. Werden diese Remote Desktops an einem gesicherten Gastwissenschaftsarbeitsplatz (GWAP) bereitgestellt, müssen Forschungsdatenzentren keine Abstriche bei der Sicherheit machen – und Forschende können auch von anderen Standorten als dem datengebenden Institut aus arbeiten.
Für ein einzelnes Forschungsdatenzentrum kann der Aufbau und Betrieb einer solchen Infrastruktur jedoch mit Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen verbunden sein – von der technischen Infrastruktur über die nötige Reichweite bis hin zur administrativen Abwicklung. Das RDCnet bietet hierfür Lösungsansätze, die im Folgenden dargestellt werden.
Vorteile im RDCnet
Kooperation
Ein Remote-Desktop-System entfaltet seinen vollen Nutzen erst, wenn genügend Zugangspunkte verfügbar sind. Neben dem eigenen Standort müssen also Kooperationen mit weiteren Institutionen entstehen, um die eigenen Daten auch an deren GWAP anzubieten. Einzeln ausgehandelte, bilaterale Kooperationen mit jeweils eigenen technischen und organisatorischen Maßnahmen bedeuten dabei einen erheblichen Aufwand.
Genau hier bildet das RDCnet die Brücke. Statt vieler bilateraler Verträge basiert das RDCnet auf einer multilateralen Kooperation mit einem standardisierten Kooperationsvertrag. Eine Teilnahme bedeutet, dass Sie automatisch mit allen teilnehmenden Institutionen kooperieren können, wobei technische und organisatorische Maßnahmen vereinheitlicht sind. Den Kooperationsvertrag sowie die genauen Maßnahmen finden Sie unter Veröffentlichungen.
Zwei Rollen im RDCnet:
Datenempfangende Partei verpflichtend
Sie implementieren an Ihrem Standort einen GWAP, an dem die teilnehmenden Institutionen ihre Daten via Remote Desktop bereitstellen. So geben Sie den Forschenden in Ihrer Region und an Ihrer eigenen Institution die Möglichkeit, mit den Forschungsdaten der kooperierenden Institutionen zu arbeiten – und machen Ihren Forschungsstandort attraktiver.
Datengebende Partei optional
Bietet Ihr FDZ ein Remote-Desktop-System an, dessen Zugang über einen üblichen Thin Client erfolgen kann, können Sie Ihre Daten an den GWAP aller kooperierenden Institutionen verfügbar machen. Sie behalten jedoch stets die Entscheidungshoheit darüber, wo, von wem und wann mit Ihren Daten gearbeitet werden kann.
Dezentrale Infrastruktur
Remote-Desktop-Systeme sind komplex: Sie müssen höchste Sicherheit gewährleisten und zugleich performant genug sein, damit Echtzeit-Analysen nicht zur Geduldsprobe werden. Aufbau und Betrieb binden entsprechend finanzielle und personelle Ressourcen. Hinzu kommt: Individuelle Datenschutzvereinbarungen erfordern in der Regel, dass die sensiblen Forschungsdaten ausschließlich physisch vor Ort im datenhaltenden Forschungsdatenzentrum gespeichert bleiben – eine zentrale, gemeinsam betriebene Infrastruktur scheidet damit von vornherein aus. Gleichzeitig sollen häufig bereits bestehende Strukturen und etablierte Systeme weiter genutzt und nicht durch eine vorgegebene Lösung ersetzt werden.
Das RDCnet baut daher auf eine dezentrale Infrastruktur: Jedes FDZ bleibt für sein eigenes Remote-Access-System verantwortlich. Als Hilfestellung stellen wir unter Veröffentlichungen ein Remote-Desktop-Referenzsystem bereit, an dem Sie sich orientieren können. Außerdem teilen die meisten Kooperationspartner dieselben Herausforderungen und pflegen einen offenen, produktiven Austausch untereinander.
Zentrale Administration
Neben der technischen und der juristischen Grundlage darf eine letzte, sehr wichtige Komponente nicht vergessen werden: die administrative. Sobald Forschungsdaten an einem anderen Standort als dem datengebenden Institut verfügbar sind, müssen drei Parteien miteinander kommunizieren – die Forschenden, die datenempfangende Partei (Prüfung der GWAP-Verfügbarkeit) und die datengebende Partei (Prüfung des Datennutzungsvertrags und Einrichtung des Remote-Desktop-Kontos). Diese Abstimmung ist aufwendig und – vor allem per E-Mail – fehleranfällig.
Auch hier arbeitet das RDCnet an einer Lösung: RDCdesk, ein zentrales, für FDZ optimiertes Buchungssystem, auf dem alle Parteien mühelos zusammenarbeiten. Forschende stellen eine Anfrage, die automatisch an die datengebende und die datenempfangende Partei weitergeleitet wird. Beide können individuell prüfen und die Buchung annehmen oder ablehnen; Forschende erhalten automatisch eine Bestätigung oder Stornierung. Darüber hinaus lassen sich mit RDCdesk auch die eigenen, nicht ins RDCnet eingebundenen GWAP verwalten – so werden keine zwei Buchungssysteme benötigt. Mehr dazu unter RDCdesk.
Häufige Fragen
Ist für die Teilnahme am RDCnet ein Remote-Desktop-System erforderlich?
Nein, Sie können dem RDCnet auch nur als datenempfangende Partei (GWAP-Partei) beitreten – dafür benötigen Sie lediglich einen Thin Client als GWAP in einem gesicherten Raum sowie Personal, das die Remote-Desktop-Software (z. B. Horizon Client) installiert und die Identität der Forschenden kontrolliert. Die genauen technischen und organisatorischen Anforderungen finden Sie im Kooperationsvertrag unter Veröffentlichungen.
Stellt das RDCnet ein Remote-Desktop-System bereit?
Nein. Die Infrastruktur ist dezentral – jedes FDZ ist für sein eigenes System verantwortlich. Als Hilfestellung finden Sie unter Veröffentlichungen jedoch ein Remote-Desktop-Referenzsystem, an dem Sie sich orientieren können.
Mit wem kooperieren teilnehmende Institutionen?
Mit allen teilnehmenden Institutionen gleichzeitig. Das RDCnet ist eine multilaterale Kooperation: Mit dem Beitritt zum standardisierten Kooperationsvertrag kooperieren Sie automatisch mit allen aktuellen und künftig beitretenden Partnern – ohne separate bilaterale Verträge.
Zu den PartnerinstitutionenWelche Aufgaben hat die datenempfangende Partei (GWAP-Partei)?
Die wichtigsten Aufgaben sind:
- Einen GWAP (Thin Client) in einem gesicherten Datensicherheitsraum einrichten und gemäß den vereinbarten technischen und organisatorischen Maßnahmen betreiben.
- Personal bereitstellen, das vor Ort die Identität der Forschenden prüft und die Einhaltung der Nutzungsregeln am GWAP sicherstellt.
- Buchungsanfragen bearbeiten und sicherstellen, dass der GWAP zum vereinbarten Termin verfügbar ist – inklusive Wartung der Technik und einer Ansprechperson vor Ort. Für die Nutzung dürfen den Forschenden keine Kosten entstehen.
Eine detaillierte Auflistung der Aufgaben der GWAP-Partei finden Sie im Kooperationsvertrag, der unter Veröffentlichungen abrufbar ist.
Welche Aufgaben hat die datengebende Partei (Daten-Partei)?
Die wichtigsten Aufgaben sind:
- Die Serverinfrastruktur für eine sichere Remote-Desktop-Verbindung bereitstellen – die Verfügungshoheit über Ihre Daten bleibt dabei stets bei Ihnen. Beim Einrichten der Verbindung oder bei auftretenden Problemen unterstützen Sie die GWAP-Partei über eine benannte Ansprechperson.
- Datennutzungsanträge bereitstellen und prüfen sowie Buchungsanfragen bei gültigem Vertrag bestätigen.
- Ein Benutzerkonto einrichten und die Zugangsdaten sicher übermitteln.
- Die Forschenden auf den Termin vorbereiten – mit Informationsmaterial zur Nutzung des Remote-Desktop-Systems sowie einer Ansprechperson für Fragen im Vorfeld.
- Während des Termins für Rückfragen der Forschenden zur Verfügung stehen.
Eine detaillierte Auflistung der Aufgaben der Daten-Partei finden Sie im Kooperationsvertrag, der unter Veröffentlichungen abrufbar ist.
Wie erfolgt die Teilnahme am RDCnet?
Wir gestalten den Prozess flexibel und richten ihn am Bedarf der teilnehmenden Institution aus. In der Regel erfolgt die Teilnahme wie folgt:
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GWAP einrichten
Sie implementieren einen Gastwissenschaftsarbeitsplatz nach den im Kooperationsvertrag definierten technischen und organisatorischen Maßnahmen. Dazu gehören ein restriktiv konfigurierter Thin Client, ein gesicherter Raum und die Verfügbarkeit von Personal vor Ort. Die genauen Kriterien entnehmen Sie gerne Anlage 2 des Kooperationsvertrags; eine Schritt-für-Schritt-Anleitung bietet zudem das Working Paper zur Konfiguration eines Thin Clients. Bei Fragen zur Konfiguration stehen wir Ihnen ebenfalls zur Verfügung.
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Software installieren und Verbindung testen
Auf dem Thin Client wird die entsprechende Remote-Access-Software installiert (z. B. Omnissa Horizon). Anschließend erfolgt eine Testverbindung zu einem virtuellen Desktop der datengebenden Partei – noch ohne produktive Forschungsdaten.
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Kooperationsvertrag unterzeichnen
Die Unterzeichnung erfolgt über eine Beitrittserklärung (Anlage 3 des Kooperationsvertrags).
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Prototyp-Phase
In einer ersten Phase sollten idealerweise interne Forschende den Arbeitsplatz nutzen, um den Produktivbetrieb zu testen und potenzielle Probleme – etwa in administrativen Prozessen – zu identifizieren.
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Öffnung für externe Nutzende
Danach steht der Arbeitsplatz auch externen Forschenden offen. Der Prozess zur Buchung des Arbeitsplatzes wird auf der RDCnet-Website unter Partnerinstitutionen beschrieben.
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Kooperationsvertrag unterzeichnen
Voraussetzung ist die unterzeichnete Beitrittserklärung zum Kooperationsvertrag (Anlage 3 des Kooperationsvertrags).
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Verbindung einrichten und testen
Sie unterstützen die datenempfangende Partei dabei, die Verbindung zu Ihrem Remote-Desktop-System einzurichten, und testen sie gemeinsam. Der Test erfolgt mit nicht sensiblen Daten, etwa synthetischen Testdaten. Dafür sollte auf beiden Seiten eine technische Ansprechperson zur Verfügung stehen. Als Daten-Partei behalten Sie stets die Entscheidungshoheit darüber, an welchen Standorten Ihre Daten verfügbar gemacht werden.
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Produktivtest mit internen Nutzenden
Nach dem erfolgreichen Verbindungstest sollte idealerweise ein Produktivtest mit echten Forschungsdaten und internen Forschenden erfolgen. Rückmeldungen aus diesem Test fließen direkt in Anpassungen ein.
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Öffnung für externe Forschende
Nach der erfolgreichen ersten Nutzung kann der Zugang auch externen Forschenden angeboten werden. Die Öffnung wird über verschiedene Kanäle kommuniziert, etwa über die eigene Homepage.
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Weitere Standorte anbinden
Nach demselben Prozess lässt sich die Verbindung anschließend an weiteren Standorten umsetzen.
Bei Interesse an einer Teilnahme schreiben Sie uns unter rdcnet@diw.de.